Kulturverein Hüttisheim e.V.
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Matthias Matuschik Gerne wider (23.03.2019)

       Matthias Matuschik  -   Gerne wider

Seinem Ruf als „Enfant terrible“ des politischen Kabaretts wurde der BR 3 Kult- Moderator Matthias Matuschik  mehr als gerecht. In seinem 3. Solo- Programm „Gerne wider- Einfach mal dagegenhalten“ hielt er im Kulturstadel Hüttisheim Wort und sezierte Politik und Alltag auf knallharte und mitunter unversöhnliche Weise. Schenkelklopfende Comedy ist seine Sache wahrlich nicht. Matuschke, wie ihn seine Fans nennen, widmet sich wortgewandt und hingebungsvoll widrigen Themen, die den Atem der Besucher stocken und sie tief Luft holen lässt. Schon seine Einstiegsnummer, in der er schonungslos  böse AfD, Nazis, Flüchtlingspolitik, Rassenideologie und Herrenmenschentum geißelt, lässt jede Kulinarik vermissen und ist eine klatschende Ohrfeige ins Gesicht des satten und wohlgefälligen Wohlstandsbürgers.

Aber Matuschik schafft auch zungenfertig stöhnende Erholung, wenn er sich gestisch und mimisch eindrücklich über die Probleme mit WC- Papierrollen, die keinen Anfang und kein Ende haben, und dreiviertellangen Klotüren delektiert oder wenn er im schönsten perfekten Allgäuer Dialekt die Internetwüste Deutschland am Beispiel der Brieftauben- Kommunikation oder des festgebundenen umhäkelten Telefons  veräppelnd bloßstellt. Der Mann aus Weiden plädiert für die Freigabe des Kiffens und fordert ein extra Kifferzelt auf dem Münchner Oktoberfest, denn Kiffer sind tiefenentspannt.und friedlich.

Köstlich bissig seine Persiflage über das Tierwohl, des Deutschen liebstes Kind, und dessen abstruse Verwicklungen und  Konsequenzen  mit dem Elektro- Auto. Oder der in reinstem Sächsisch vorgetragene Exkurs über den Unterschied von Kapitalismus und Sozialismus am Beispiel einer zu pfändenden Kommode: Während der Gerichtsvollzieher im Kapitalismus sie mit einem Kuckuck verziert, reicht es seinem sozialistischen Pendant, die mit Buntstiften aufgemalte Kommode auszuradieren. Der Mann mit der Samt- Stimme schließt. mit Dalli- Klick, einer Reminiszenz an Hans Rosenthals Show Dalli Dalli, wobei er gnadenlos die kriminellen Machenschaften der Christine Haderthauer, der  ehemalige CSU- Generalsekretärin, und ihres Ehemannes anprangert. Was beweist, dass die Realität jede satirische Übertreibung in den Schatten stellt.   

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